Von Conny Müller Finsterau. Der Schlagbaum am Grenzübergang Buchwald ist weg: Im Rahmen der Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung zwischen den Gemeinden Mauth-Finsterau und Kvilda wurde der rot-weiße Mast abmontiert. Es war eine entspannte Atmosphäre. Obwohl schon seit dem Beitritt Tschechiens zum Schengener Abkommen im Jahr 2004 keine Grenzkontrollen mehr stattfanden, war die Überquerung der Grenze dieses Mal etwas Besonderes für die Bürger. Sowohl Tschechen als auch Bayern waren sich klar: Ab heute rücken wir enger zusammen. Dies sah man bei dem Festakt schon anhand der verschiedenen Verkaufsstände. Auf bayerischer Seite gab es Brezen und Kuchen, auf tschechischer Seite die passenden Getränke dazu sowie Würstl. Bewohner sollen Freunde werden Der Festakt begann bei der Kapelle in Buchwald, wo eine gemeinsame bayrisch-böhmische Messe gefeiert wurde. Zelebriert wurde der zweisprachige Gottesdienst vom Ortspfarrer aus Kvilda, die musikalische Gestaltung übernahm ein tschechische Bläsergruppe und der Männerchor aus Finsterau. Nach der feierlichen Messe erfolgte am Grenzschranken die Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung durch die Bürgermeister Paclav Vostradovsky und Max Gibis. Beide Gemeindeoberhäupter freuten sich, dass so viele Gäste diesseits und jenseits der Grenze gekommen waren. Auch die Grußworte wurden, immer von der Flagge der europäischen Union begleitet, in deutsch und tschechisch gesprochen. Bürgermeister Max Gibis betonte in seiner Ansprache, dass nicht nur die Gemeinden Kvilda und Mauth partnerschaftlich zusammenarbeiten wollen, sondern er wünschte sich auch, dass die Bewohner der beiden Gemeinden Freunde werden. Das bereits bestehende freundschaftliche Verhältnis der beiden Bürgermeister, trotz der Sprachbarriere, war sichtlich zu spüren. Bürgermeister Max Gibis konnte auch zahlreiche Ehrengäste aus beiden Ländern begrüßen, darunter Landrat Ludwig Lankl, Kaspar Sammer von der Euregio, Günter Obermüller, Leiter der Polizeiinspektion Freyung, Gemeinderäte, Bürgermeisterkollegen sowie die Vertreter der Nationalparke Bayerischer Wald und Sumava. Bürgermeister Vostradowsky bedankte sich bei allen, die an der Organisation des Festaktes beteiligt waren. Landrat Ludwig Lankl begrüßte im Namen des Landkreises die zahlreichen Gäste und sicherte dem Grenzgebiet um Mauth-Finsterau und Kvilda Unterstützung zu. Direkt auf der Brücke am Grenzschranken erfolgte die feierliche Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung, eingestimmt vom Männerchor Finsterau mit dem passenden Lied „Tief drin’ im Böhmerwald“, das von vielen Besuchern auf deutsch und tschechisch mitgesungen wurde. Viele Emotionen wurde dabei vor allem bei den „Vertriebenen“ aus Fürstenhut und Umgebung geweckt. Wunsch: Linienbus von Finsterau nach Kvilda Anschließend wurde im wahrsten Sinne des Wortes mit vereinten Kräften der Schlagbaum entfernt. Der würdige Abschluss der gelungenen Feier wurde mit den Nationalhymnen von der Bläsergruppe aus Tschechien untermalt. Dieses Ereignis geht mit Sicherheit in die Geschichte der beiden Gemeinden Mauth und Kvilda ein, waren sich die Beteiligten einig. Viele Bewohner aus Kvilda und Mauth-Finsterau wünschen sich die „grenzenlose“ Annäherung beider Gemeinden und hoffen sehr, dass es vielleicht sogar einmal möglich ist, mit einem Linienbus von Finsterau nach Kvilda fahren zu können.
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KVILDA im Böhmerwald
Mit ihrer Meereshöhe von über 1000 m gehört die Ortschaft zu einer der höchstgelegenen Gemeinden der Tschechischen Republik. Sie liegt mitten in den malerischen Auβergefild-Ebenen.
Es waren die goldenen Schuppen, welche in die abseits liegenden, bewaldeten und ungastlichen Gegenden die ersten Goldgewinner schon im 14. Jahrhundert anlockten.
Der Goldsand wurde vor allem auf dem Bach „Kvildský“ oder „Jezerní“ gewaschen. Heute ist diese Örtlichkeit vor allem eine archäologische Sehenswürdigkeit der Tschechischen Republik. Ein weiteres und bedeutungsvolles Ereignis für die Besiedlung und Gemeindeentwicklung wurde der Ausbau des s.g. „Horní zlatá stezka“ (Goldener Obersteig), welcher Passau mit Kašperské Hory (Bergreichenstein) über Kvilda verband. Schon im Jahr 1356 lieβ diesen Weg Karl IV. trassieren, schon im Jahr 1366 strömte über sie der Salz aus Bayern und zurück besonders das Bier, das Malz, der Hopfen usw. Die erste schriftliche Erwähnung über das Dorf „Kvilda“ kommt aus dem Jahr 1569, wo Kvilda, als eine dominante Gemeinde zu dem Großgrundbesitz „Velkostatek zdíkovský“ gehört. Nicht nur durch die Einwohnerzahl, sondern auch besonders durch ihr wirtschaftliches Potential wurde Kvilda allmählich zu der bedeutesten Gemeinde des Zentral-Böhmerwaldes. Neben den holzverarbeitenden Betrieben, Hammern, Glaswerken und Papierwerken in „Františkov“ (Franzental) bietete sein Handwerk eine bemerkenswerte Menge von Gewerbetreibenden. Im Jahr 1945 lebten in Kvilda 1 120 Einwohner in 180 Häusern. Die Nachkriegsentwicklung von Kvilda wurde nicht nur von der Zwangsaussiedlung der deutschen Einwohner und einer Übersiedlung einer kleinen Anzahl der inhomogenen Einwohner beeinflusst, sondern speziell durch Errichtung einer Grenzzone, welche insbesondere auf der Westgrenze einem strengen Regierungssystem unterlag. Im Jahr 1950 lebten in Kvilda in 144 Häusern 238 Einwohner.
Die gegenwärtige Einwohnerzahl bewegt sich rund um 170. Das Katastralgebiet von Kvilda mit einer Gesamtfläche von 4517 ha (5 719 m2) umfasst auch die heute nicht mehr existierende Gemeinde Bučina (Buchwald), davon Kvilda mit 3 131 ha (7 712 m2) und Bučina mit 1 385 ha (8 007 m2).
Heute ist Kvilda ein bedeutendes Urlaubszentrum des Zentral-Böhmerwaldes, welches den Touristen über 750 Betten in 19 Erholungseinrichtungen bietet. Kvilda hat ein Gemeindeamt, eine Postbehörde, ein Lebensmittelgeschäft, eine bei den Touristen beliebte Bäckerei, ein Sportgeschäft und ein Drogerie- und Souvenirgeschäft, sowie einen Ski- und Radverleih. Für die Touristen sorgen – das Infozentrum der Gemeinde Kvilda und das Infozentrum „NP Šumava“ (Nationalpark Böhmerwald). Die Gemeindeentwicklung, die Volkskundsammlungen und die Zeitfotos finden die Touristen in einer Dauerexposition der Geschichte von Kvilda und Bučina (Buchwald). Diese sind im Gebäude des Gemeindeamtes untergebracht. Das ganze Katastralgebiet der Gemeinde liegt im Nationalpark Šumava. Eine erhaltene Umwelt ist eine Voraussetzung zu einer weiteren Entwicklung des Reiseverkehrs. Kvilda bietet mit dem attraktiven „Jezerní slať“ (Seefilz), mit der 6 km entfernten Moldauquelle und mit dem Buchwald einmalige Ausblicke auf die viel besuchte Umgebung des Böhmerwaldes.
Der Text wurde übernommen von: J. Vávrová: Kapitoly z minulosti Kvildy. 2005.
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