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© 2006 Gemeinde Mauth

Mauth am "Goldenen Steig"

Am Anfang des 17. Jahrhunderts - in der Zeit des zurückgehenden Salzhandels und des aufkommenden Merkantilismus - begann das Fürstbistum Passau in seinen Grenzwäldern zu Böhmen mit der planmäßigen Kolonisation. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts dauerte diese Rodungstätigkeit, die sich vor allem entlang der alten Salzhandelswege - wegen ihres reichen Ertrages allgemein mit dem Sammelnamen "Goldenen Steig" bezeichnet - ausbreitete. Am oberen Goldenen Steig entstanden so, zwischen 1687 und 1724 die Ortschaften, die heute die Gemeinde Mauth bilden.

Kennzeichnend für die damals gegründeten Waldhufendörfer ist die auch heute noch weitgehend unverändert erhaltene Streifenflur mit ca. 40 - 100 m breiten und bis zu 3,5 km langen Grundstücken. Bei der Gründung der Ortschaften hatte der Salzhandel seine große Bedeutung schon verloren. Seit die Krone Böhmens 1526 an die Habsburger gefallen war, wurde die Einfuhr bayerischen Salzes laufend zurückgedrängt. Als Folge des spanischen Erbfolgekrieges wurde 1706 schließlich die Einfuhr fremden Salzes nach Böhmen ganz verboten - das Ende des Salzhandels am "Goldenen Steig.

Boden und Klima

Waldhufendörfer

Die Waldhufendörfer im hinteren Bayerischen Wald waren von Anfang an nicht als reine Bauerndörfer angelegt , dazu sind Klima- und Bodenverhältnisse zu ungünstig. Je nach Lage und Gründungszeit standen vielmehr mit wechselnder Bedeutung Verkehr, Waldwirtschaft und Grenzsicherung im Vordergrund. Zum überleben benötigten die Bewohner immer eine Kombination verschiedener Einkommen. Die einzelnen Siedlerstellen, als ,,ganze Lehen" geplant, wurden auch nur als ,,halbe Lehen" versteuert, "in Ansechung der Orth noch sehr winterig und wilt ist", wie es in einem damaligen Dorfrechtsbrief heißt. Auf politische und wirtschaftliche Veränderungen hat dieses Gefüge stets empfindlich reagiert, so dass sich bis heute die Wirtschaftsstruktur dieses Gebiets ständig wandelt. Not war dabei lange Zeit ein beharrlicher Begleiter.

 

Trift und Bewässerung

Bald nach der Gründung wurde mit dem Ausbau der Bäche zur Holztrift begonnen. Die Mithilfe bei den Holzfällungs-, Bringungs- und Triftarbeiten bedeutete bis ins 20. Jahrhundert ein wichtiges zusätzliches Einkommen. Die alten Stauteiche, Klausen genannt, sind zum Teil noch vorhanden.

Klausen - Trift - Bewässerung

Durch die Trift konnte erstmals das Holz der weit abgelegenen Waldungen genutzt werden. Der Wald stieg im Wert. Als Folge davon wurde die Waldweide, die den Wald weitgehend verwüstete, eingeschränkt. Um die fehlende Futterfläche auszugleichen, mussten nun die eigenen, auf Erbrecht verliehenen Flächen intensiver genutzt werden. Die Bewässerung der Wiesen wurde zum wesentlichen Bestandteil der Grünlandnutzung. Die ab der Mitte des 18. Jahrhunderts entstandenen, z.T. bis zu 1,5 km langen ursprünglich gemeinschaftlichen Bewässerungsgräben sind heute noch vorhanden. Durch Abmarkung und Einführung ihres Namens in die Flurkarte wurde versucht, diese Kulturdenkmäler für die Nachwelt zu erhalten.

Vom Walddorf zum Urlaubsort

Auch wir sind derzeit Zeugen eines erneuten Wandels: Landwirtschaft und Forstarbeit, die klassische Einkommenskombination der letzten Jahrzehnte ist fast verschwunden, bedingt durch die allgemeinen Strukturänderungen in der Landwirtschaft und die weitgehende Einstellung der Holznutzung im 1970 gegründeten Ersten Nationalpark Deutschlands, dem Nationalpark Bayerischer Wald. Die Gemeinde entwickelt sich immer mehr zum Urlaubsort, begünstigt durch den Nationalpark, seine reizvolle Landschaft und seine Schneesicherheit.

Auszug aus dem Landschaftsplan der Gemeinde Mauth, erstellt Ing.Büro Kern 1998:

Die im Gemeindegebiet vorgefundenen Flächen- und Florenpotentiale der drei wichtigsten nach Art. 6d (1) BayNatSchG geschützten Lebensraumtypen müssen ohne jeden Zweifel als landesweit, unter Einrechnung mitteleuropäischer Endemitten sogar als national bedeutsam erscheinen. Nahezu alle Arten besitzen zahlreiche Vorkommen, darunter auch Großvorkommen, die es sehr wahrscheinlich machen, dass noch genetische Verbundsysteme vorliegen, wie sie in nahezu allen Teilen des bayerischen Areals bereits aufgelöst bzw. zerfallen sind. Die Halbkulturformationen des Gemeindegebiets gehören damit zu den landesweit aussichtsreichsten Erhaltungsschwerpunkten für Arten dieser Lebensraumtypen. Die Gemeinde Mauth hat sich aufgrund der hohen Qualität und großen räumlichen Ausdehnung von nur extensiv genutzten Wald- und Offenlandlebensräumen eine ungemein vielfältige, teilweise vom Aussterben bedrohte und einmalige Tierwelt erhalten können, die in Bayern und dem Naturraum ihresgleichen sucht.

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